Am 1. November 1877 wurde in der damals noch kleinen Ortschaft Aue der Männergesangverein (MGV) Aue gegründet. Als ersten Dirigenten gewann man den damaligen Lehrer der Volksschule Aue, Herrn Homrighausen, der jedoch infolge Versetzung nur ein Jahr im Verein tätig sein konnte. Auch sein Nachfolger, Lehrer Claudy, konnte seine Tätigkeit nur wenige Jahre ausüben.
Unter der Leitung von Lehrer Schenkel kam es ab dem Jahre 1881 zu intensiverem Vereinsleben. Man traute sich bei Gottesdiensten und Familienanlässen mit ersten Liedern an die Öffentlichkeit. Einen festen Platz im Vereinsleben gewannen zu damaliger Zeit, das Stiftungsfest, das jeweils an den Pfingstagen begangen wurde, und die herbstlichen Ausflüge zum Herrenhaus Röspe, um den dort zur Jagd weilenden Fürsten von Berleburg mit Liedvorträgen zu erfreuen. Im Jahre 1896 schaffte man die erste Vereinsfahne an.

Nach über 20jähriger Tätigkeit übergab Lehrer Schenkel im Jahre 1902 den Dirigentenstab an Lehrer Schuppert aus der Nachbargemeinde Wingeshausen. Leider war dessen Tätigkeit wiederum nur von kurzer Dauer, so daß das Vereinsleben vorübergehend zum Erliegen kam. Im Jahre 1907 gelang es Lehrer Wollenweber, den Verein zu neuem Leben zu erwecken. 1910 besuchte man zum erstenmal ein Sängerfest, und zwar das des Nachbarvereins Wingeshausen. Das Wirken von Herrn Wollenweber nahm ein überraschendes Ende, als er zum 01.04.1912 kurzfristig ins Ruhrgebiet versetzt wurde.
Der junge, an die Volksschule Aue gekommene Lehrer Blöcher übernahm im selben Jahr den verwaisten Chor. Der Beginn des Ersten Weltkrieges brachte die Vereinstätigkeit erneut zum erliegen, weil die meisten Sänger Waffendienste leisten mußten. Erst im Jahre 1919 begann der Verein unter Herrn Blöcher erneut mit Chorproben. Zum silbernen Fahnenjubiläum im Jahre 1921 weilten zehn befreundete Vereine zu Gast in Aue; auch das Ehrenmitglied Fürst Richard zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg war gekommen. Diesen treuen Freund und Förderer verlor der Verein durch einen Unglücksfall im Jahre 1925. Das Jahr 1921 sah den Chor zum erstenmal auf einem Wettstreit, und zwar in Weidenau. Zum 50jährigen Bestehen im Jahre 1927 waren neun Nachbarvereine zu Gast in Aue.

1932 veranstaltete der Verein seinen ersten eigenen Wettstreit, an dem sich 14 Gastvereine beteiltigten. Vom finanziellen Überschuß dieser Veranstaltung wurde ein Klavier angeschafft. Die Jahre bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges waren gekennzeichnet durch die Teilnahme an vielen Wertungssingen, Wettstreiten und Sängerfesten. Nach Beendigung des Krieges scharte Lehrer Blöcher im Jahre 1946 erneut die Sänger um sich. Eine ganz erhebliche Anzahl junger Männer fand den Weg zum Chor und manch schöner Erfolg stellte sich auf weiteren Wettstreiten ein, deren erster nach dem Krieg 1948 in Eiserfeld besucht wurde. 1952 beging der Verein sein 75jähriges Jubiläum und sah sich durch Spenden seiner Mitglieder in die Lage versetzt, eine neue Fahne anzuschaffen.
Durch Beschluß nannte sich der Verein seit dem Jahre 1952 „Männergesangverein Aue 1877“. Das Jahr 1955 brachte dem Verein einen schmerzlichen Verlust. Herr Blöcher wurde durch plötzlichen Tod mitten aus seiner Arbeit gerissen. 43 Jahre verbanden den Verein mit diesem Manne, der sich als Lehrer, aber auch als Dirigent das Vertrauen und die Achtung der Dorfbewohner erworben hatte. Der Name Karl Blöcher wird in der Vereinsgeschichte einen Ehrenplatz einnehmen.

Von April 1956 bis zum Herbst 1959 dirigierte Lehrer Hans Joachim Zander den Chor. In diese Zeit fiel das 80jährige Jubiläum, das mit einem Wettstreit begangen wurde, an dem sich 18 Vereine beteiligten. Nachfolger von Herrn Zander wurde im Herbst 1959 Lehrer Heinz Hilbig aus Röspe, der die dortige Volksschule leitete und bereits auf eine 8jährige Dirigententätigkeit in Oberasdorf und Niederndorf (Kreis Siegen) zurückblicken konnte. Nach erst halbjähriger Tätigkeit konnte Herr Hilbig mit dem Chor anläßlich des Wettstreites in Berghausen einen triumphalen Erfolg mit der Erringung aller 1. Preise, des Höchstpreises und des Dirigentenpreises feiern. Im Jahre 1962 wurde das 85jährige Vereinsbestehen mit einem Sängerfest gefeiert, zu dem insgesamt 13 Chöre anwesend waren. Das 90jährige Bestehen im Jahre 1967 wurde zu einem echten Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Man hatte zu einem großen Gesangwettstreit eingeladen, an dem sich 30 auswärtige Vereine beteiligten. Dagegen wurde das 95jährige Bestehen im Jahre 1972 nur in kleinem Rahmen gefeiert.

100 Jahre MGV Aue 1877 Am 11. Mai 1974 beteiligte sich der Chor am Bundesleistungssingen des Deutschen Sängerbundes in Mönchengladbach in der Stufe I und erhielt die Note 1 und damit die Zulassung zur Teilnahme am Bundesleistungssingen der Stufe II. Am 22. Mai 1977 wurde dem Verein aus Anlaß seines 100jährigen Bestehens die Zelterplakette des Deutschen Sängerbundes verliehen. Für Anfang Juni hatte der Verein dann zu einem großen Sängerfest mit Freundschaftssingen und Wettstreit – an dem 46 Vereine teilnahmen – nach Aue geladen.
Am 6. Oktober 1979 besuchte der Chor mit gutem Erfolg einen Wettstreit in Meinerzhagen. Anläßlich des 105jährigen Bestehens im Jahre 1982 richtete der Verein im März die Jahreshauptversammlung des Sängerkreises Wittgenstein aus und führte im Oktober ein Chorkonzert mit 13 Chören aus dem oberen Edertal durch.

Am 8. September 1984 nahm der Chor am III. Landeslaienmusikfest des Landes NRW teil, indem er im Bürgerhaus zusammen mit einem Mandolinen- und einem Akkordeonorchester sowie dem Frauenchor Aue ein Chor- und Orchesterkonzert veranstaltete. Im August des Jahres 1987 trat Heinz Hilbig von der Leitung des Männerchores zurück. Glücklicherweise war unser Vizechorleiter Gerhard Stremmel sofort bereit, die Chorleitung zu übernehmen, jedoch nur vorübergehend. So konnte das für Oktober dieses Jubiläumsjahres vorgesehene Freundschaftssingen mit 12 auswärtigen Vereinen planmäßig verlaufen. Herr Stremmel leitete den Chor ein Jahr lang. Dann übernahm Frau Musikdirektorin Gerlinde Gabler-Braun von September 1988 bis Ende 1991 den Dirigentenstab. In dieser Zeit wurden Wettstreite in Hartenrod, Berghausen und Nentershausen besucht, sowie an einem Benefizkonzert für Rumänien in Dotzlar teilgenommen.

Seit Beginn des Jahres 1992 lag die musikalische Leitung des MGV Aue 1877 in Händen von Herrn Chordirektor Richard Weber. Anläßlich des 115jährigen Bestehens richtete der Verein vom 30. Oktober bis 1. November ein Freundschaftssingen mit 16 Chören und dem daran anschließenden Frühschoppenkonzert aus. Im Juni 1996 machte der Chor einen Ausflug in den Harz. Dank der guten Organisation konnten die Sänger ein abwechselungsreiches Programm mit viel Spaß genießen.